Die älteste Jugendzeitschrift der Welt – Wie alles begann …

1875 – Lehrer greifen für ihre Schüler zur  Selbsthilfe. Es fehlt an geeignetem Lesestoff. Deshalb werden sie zu Autoren und Redakteuren, bringen ihre “Wochenschrift zur Belehrung und Unterhaltung heraus, übernehmen dazu noch die Verteilung an den Schulen.

Der Hauptausschuss des Bayerischen Lehrerverbandes war sich bereits zu einer Zeit, da man überhaupt erst begann, das Kind als eigenes Wesen mit eigenen Bedürfnissen anzusehen, im klaren, dass mit der Leseerziehung nicht an der Schultüre Schluss sein darf. Er wollte der JUGEND LUST am Lesen machen …

Als Edison die Glühbirne erfand, gab es die JUGENDLUST bereits. Die Kinder lasen sie damals im Schein der Petroleumlampe. Und das mussten viele Kinder noch einige Jahrzehnte lang tun, denn es hat noch lange gedauert, bis der elektrische Strom auch in den Wohnungen die Nacht zum Tag machte.

Als die JUGENDLUST längst ihren festen Leserkreis gefunden hatte, waren die Straßen noch leer. Sie waren in den Köpfen der Kinder auch keine Straßen, sondern Spielplätze – das heimliche Reich der Kinder.

Die Benzinkutschen, die bald darauf erfunden wurden, machten den Kindern jedoch die Straße als Spielplatz streitig. Als die Autos noch mit 20 Stundenkilometern über die Straßen “rasten”, wurde die JUGENDLUST bereits Woche für Woche verteilt und begeistert gelesen.

In der Epoche der pädagogischen Reformbewegung hatte sich die JUGENDLUST in der inneren Gestaltung und äußeren Aufmachung zu einer beispielgebenden Publikation der deutschen Jugendliteratur entwickelt. Die Lehrer setzten sich in der Geschichte dieser Jugendzeitschrift oft dem Zeitgeist entgegen, sie führten damit “den Kampf gegen Kitsch, Schmutz und Schund mit einer Zeitschrift, die sich jedermann leisten kann”.

Noch lockte kein Fernseher und machte den Lesern Konkurrenz. Wer etwas erfahren wollte, musste sich der Mühe – damals war es ausschließlich das Vergnügen – des Lesens unterziehen.

Es war schon etwas Besonderes, wenn man Lesen durfte. Die JUGENDLUST war ihrer damaligen Aufgabe entsprechend literarisch und kunsterzieherisch ausgerichtet.

Im Jahr 1941 wurde den Lehrern die Herausgabe ihrer Jugendzeitschrift untersagt. Sie passte nicht in die Gleichschaltung der Jugendarbeit im Dritten Reich. Eine achtjährige Zwangspause entstand.

Nach dem Krieg war eine geeignete Jugendzeitschrift nötiger denn je. Es galt, den geistigen Hunger der Kinder im Nachkriegsdeutschland lindern zu helfen.

Mit Beharrlichkeit erreichten die Lehrer 1948 von der Militärregierung die Drucklizenz und eine Papierzuteilung und fingen mit ihrer Zeitschrift wieder von vorne an. In den 1950er und 1960er Jahren erschien sie bereits in der Ausgabe für die Unter- und einer Ausgabe für die Oberstufe. Zum 100. Jahrgang, im Jahr 1983, rückte der Titel JUGENDLUST in den Untertitel. Aber die Zeitschrift, die schon der Ururoma Spaß gemacht hatte, war lebendiger denn je.

Die inzwischen älteste noch erscheinende Jugendzeitschrift der Welt ist nicht zu einem Museumsstück geworden. Sie wird nach wie vor von Lehrern herausgegeben und getragen und erscheint alle 14 Tage unter den Titeln FLOHKISTE und floh! in mehreren altersgemäßen Ausgaben. Die weiteren Titel FLOHKISTchen, ich TU WAS! und O!KAY! komplettieren das Programm.

Die Aufgaben einer Kinder- und Jugendzeitschrift heute haben sich gewandelt. Wir leben im Zeitalter der Reizüberflutung, weltweit nimmt die Lesefähigkeit der Menschen ab. Auch viele Kinder lesen nicht mehr gern. Sie sind unkonzentriert und haben Angst vor dicken Büchern. Aber ohne Lesen geht es nicht. Galt es einmal sogar mit der Meinung aufzuräumen, Lesen sei eine zeittotschlagende Beschäftigung, so gilt es heute eine Brücke zum Lesen zu spannen. Denn Lesen ist neben allem anderen der Schlüssel zur Fantasie, zur Entwicklung der schöpferischen Fähigkeiten des Menschen. Eine Fähigkeit, auf die es immer schon, vor allem aber in unserem Computer-Zeitalter, ankommen wird. Kinder, wie die Zeit vergeht …