IN EIGENER SACHE

Die vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) im Verband Bildung und Erziehung (VBE) bundesweit herausgegebenen Schul-Jugendzeitschriften FLOHKISTE, floh!, FLOHKISTchen, ich TU WAS! und O!KAY! werden vom Domino Verlag zum 31.12.2018 eingestellt. Warum musste das sein?

Liebe Eltern!
Liebe Lehrerinnen und Lehrer!

Schade, sehr, sehr schade, haben sich inzwischen Hunderte enttäuschter Eltern geäußert. Sie hatten die altersgemäßen Ausgaben unserer Schul-Jugendzeitschriften ja über die Empfehlung der Lehrerin oder des Lehrers ihres Kindes kennen gelernt und waren froh, damit einen besonderen Lesestoff für Ihr Kind gefunden zu haben. Eine komplett werbefreie Zeitschrift, die es an keinem Kiosk gibt, die eine Brücke von der Schule ins Elternhaus baut – eine altersgemäße Zeitschrift, die die kindliche Lebenswelt aufgreift, schulische Themen ergänzt und mit unterschiedlichen Textsorten nachhaltig das Lesen fördert.

Von Lehrerinnen und Lehrern gegründet, herausgegeben und verbreitet

Den FLOHKISTE/floh!-Heften liegt eine lange Tradition zugrunde. Denn der Vorläufer dieser Schul-Jugendzeitschrift wurde schon vor knapp 150 Jahren vom Bayerischen Lehrerverband gegründet und der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband ist bis heute der Herausgeber und bestellt den jeweiligen pädagogischen Schriftleiter. Seitdem haben Generationen von Lehrerinnen und Lehrern ihren Schülerinnen und Schülern und deren Eltern ihre Schul- Jugendzeitschrift, mit der sich der Verband aktiv um die Leseerziehung bemühte und verdient machte, zum Bezug empfohlen. Die Empfehlung eines solchen besonders geeigneten pädagogischen Lesestoffs wie die FLOHKISTE/floh!-Inhalte schließt der Bildungs- und Erziehungsauftrag des Lehrers mit ein.

Vom Kultusministerium gefördert und empfohlen

Deshalb standen die altersgemäßen Ausgaben der FLOHKISTE/floh!-Hefte zum Beispiel auch stets im Amtsblatt des Bayerischen Kultusministeriums auf der Liste der ausdrücklich zur Sammelbestellung in Schulen zugelassenen Kinder- und Jugendzeitschriften. Im Jahr 2011 wurde dann vom Ministerium auf weitere Veröffentlichungen in dieser Form verzichtet und künftig auf die Zeitschriften-Empfehlung durch das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) verwiesen, wo die FLOHKISTE auch weiterhin vertreten ist.

Verbotene Werbung?

Ungeachtet dessen ist nun seit etlichen Jahren eine Diskussion über das in Schulen zu Recht bestehende Werbeverbot entbrannt. Ausgelöst durch Klassenfotoaktionen, durch die Schulen eine Zuwendung erhielten, tauchte nun auch der Vorwurf der Vorteilsannahme und Bestechlichkeit von Lehrern als Amtsträgern auf. Lehrerinnen und Lehrer sollten entscheiden, was zum Beispiel noch Empfehlung oder erlaubtes Sponsoring und was schon verbotene Werbung ist.

Verunsicherte Lehrer

Das führte nicht nur in Bayern, sondern bundesweit zu einer großen Verunsicherung in der Lehrerschaft. Um sich dieser Problematik nicht auszusetzen, verzichteten immer mehr Lehrerinnen und Lehrer darauf, die FLOHKISTE/floh!-Ausgaben zu empfehlen. Denn das Bayerische Kultusministerium, das in seiner Zeitschrift Schule & wir im Herbst 2015 noch darauf hinwies, dass „vor allem Kinder, die sich an Bücher noch nicht so recht herantrauen … über Zeitschriften wie beispielsweise floh! oder FLOHKISTE den Zugang zum Lesen“ finden, verlangte nun von den Lehrern, wenn sie aus pädagogischen Gründen Empfehlungen für bestimmte Lektüren aussprechen, dabei nicht nur ein Produkt zu empfehlen, sondern „wettbewerbsoffen“ gleichzeitig auch vergleichbare und alternative Informationen zu geben.

Die Haltung des Herausgebers BLLV

Der Leiter der Rechtsabteilung des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV) gab daraufhin in der Mitgliederzeitschrift Bayerische Schule 3/2018 Lehrerinnen und Lehrern den Rat, Druckschriften „lieber links liegen (zu) lassen“, und forderte die Lehrerschaft dringend auf, „dass es nicht in Frage kommt, sich an Werbemaßnahmen zu beteiligen, die etwa dem Zweck dienen, Abonnenten zu gewinnen“.

Ob der Herausgeber von FLOHKISTE/floh! dabei einfach übersehen hat, dass es seine, also die von ihm herausgegebenen Schul-Jugendzeitschriften am Kiosk gar nicht zu kaufen gibt? Dass man sie seit jeher auf Empfehlung des Lehrers nur abonnieren konnte?

Das Ende einer langen Tradition

Der BLLV hat mit seiner Haltung so auch zum Ende der von ihm begründeten „ältesten, noch erscheinenden Kinder- und Jugendzeitschrift“ beigetragen. Dem Domino Verlag blieb vor diesem Hintergrund gar nichts anderes übrig, als diese Schul-Jugendzeitschriften einzustellen.

Wenn auch Sie liebe Eltern, liebe Lehrerinnen und Lehrer, sich dazu äußern wollen, dann bitten wir Sie um Ihren Eintrag ins nebenstehende „Kondolenzbuch“ zum Ende von Kinder- und Jugendzeitschriften, die jahrzehntelang zum Schulleben gehörten und in der Leseerziehung viel bewirkt haben.

Abschied von unseren Schul-Jugendzeitschriften

Eltern, genauso auch Lehrerinnen und Lehrer äußerten sich zur Einstellung von FLOHKISTE/ floh! und den gleichfalls betroffenen Schul-Jugendzeitschriften ich TU WAS! und O!KAY!. Kinder schrieben auch auf den Internetseiten des floh!-Clubs.

Wir stellen aus den zahlreichen Reaktionen, die uns bisher per Telefon oder E-Mail erreicht haben, nur einige wenige vorab in dieses „Kondolenzbuch“. Wenn auch Sie Erfahrungen mit unseren Schul-Jugendzeitschriften gemacht haben und sich dazu äußern wollen, freuen wir uns!